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Zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 um 06:14 UhrKommentare

Mobbing: Frau klagt Telekom

Eine langjährige Telekommitarbeiterin geht vor Gericht, weil ihr Arbeitgeber Telekom sie gemobbt hat. Ihr Mobbing-Protokoll gibt erschütternden Einblick, wie sie aus ihrer Arbeit gedrängt wurde.

Foto © Eva Maria Griese | Sujetbild

Evelyn Probst ist seit 1983 bei der Post, heute Telekom. Seit 1991 ist sie dort beim Grazer Fernmeldebauamt tätig. Kontinuierlich arbeitete sich die heute 49-Jährige zur Teamleiterin im Backofficebereich für Telefonanmeldungen hoch. "Ich habe als Teamleiterin immer die höchste Zielerreichung gehabt", sagt Probst. Doch seit 2007 - es ist auch die Zeit, in der die Telekom anfängt, Mitarbeiter abzubauen - ist Evelyn Probst besonderer Drangsal ausgesetzt. Bis 2010, so die Frau, sei sie an ihrem Arbeitsplatz massivem Mobbing ausgesetzt gewesen, ohne dass ihr von irgendeiner Seite geholfen worden sei.

"Mobbing-Protokoll"

Am Grazer Landesgericht für Zivilrechtsachen will sie ab Montag beweisen, dass ihr Schadenersatz für Verdienstentgang und Schmerzensgeld zusteht: Es geht um 26.000 Euro. Zudem läuft ein Antrag auf Frühpensionierung. Probst: "Ich bin fertig. Ich kann nicht mehr arbeiten." Es dürfte nicht leicht werden, denn Arbeitgeber und auch Personalvertreter dementieren ihre Vorwürfe.

In ihrem "Mobbing-Protokoll", listet sie die "laufenden Gemeinheiten" auf: "Es begann damit, dass ich erst zwei Tage vorher erfahren habe, dass meine Einheit aufgelöst wird. In meinem Urlaub", schildert sie. Ihr Team, das sie seit 2002 leitete, wusste es schon eine Woche zuvor, erfährt sie später. Einen Monat vorher war noch keine Rede von einer Auflösung gewesen.

Keiner will oder kann ihr sagen, was mit ihr geschieht. In ihrem Mobbing-Protokoll schildert sie: "Bis 3. 8. kein Gespräch, dann wieder meine Frage, was ich jetzt arbeitsmäßig machen soll." Niemand sagt es ihr. Inzwischen seien ihr Zugangsberechtigungen entzogen worden. "Diese Vorgehensweise empfinde ich als Bosheit", notiert Probst. "Das ist die schlimmste Form von Mobbing."

Immer wieder wendet sich Probst an Vorgesetzte und auch an Personalvertreter, doch hätten die nie auf Probsts Schreiben reagiert, sie im Unklaren gelassen.

Selbstkündigung

Anfragen bei Vorgesetzten um Zuteilung von Arbeit seien stets unbeantwortet geblieben, bei Überstundenanordnungen sei sie ignoriert, über Dienstzeitverschiebungen nicht informiert worden. Schließlich sei sie zurückgestuft und auf minderen Arbeitsplätzen eingesetzt worden. Die Begründung: Für sie gebe es keinen gleichwertigen Arbeitsplatz. "Vom Oktober bis Dezember 2007 keine wirkliche Kommunikation mit mir", steht in Probsts Protokoll.

Im Sommer 2008 bewirbt sich die Frau um eine andere Stelle im Unternehmen, erfolglos. Ihre Vorgesetzte habe ihr schon vorher erklärt: "Ich werde dir jeden Techniker vorziehen." So ist es auch. Sie erklärt sich nun auch bereit, "vorübergehend unterwertige" Arbeit anzunehmen. Aber sei sei dann arbeitsmäßig ausgehungert worden. "Zuteilung an Arbeitsaufträgen: Zwei Stück für einen ganzen Tag", heißt es im Protokoll.

Immer mehr leidet Probst gesundheitlich. Seit April 2010 ist sie in Krankenstand. Befund: "Klinisch relevante depressive Symptomatik mit ausgeprägter stressbedingter somatoformer Störung", stellt eine Gutachterin fest. "Trotz medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung ist es zu einer konstanten Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes gekommen", befindet ihre Ärztin.

Telekom: Kein Mobbing

Und der Arbeitgeber? Laut Telekom-Arbeitsrechtsexperten liege im Fall Probst "kein Mobbing vor". Auch für die Personalvertretung hätte sich "der Verdacht nicht erhärtet"; auch der Betriebsrat vor Ort in Graz "kann sich nicht vorstellen, dass sie gemobbt wurde". Zur Kleinen Zeitung meint er: "Zu mir ist sie nie gekommen."

Evelyn Probst will ihren Kampf vor Gericht dennoch durchziehen: "Man hat mir die Freude genommen."

HELMUT BAST

Johann Getto ist Mobbing-Experte der Arbeiterkammer Steiermark

1. Wie zeigt sich denn Mobbing am Arbeitsplatz?

JOHANN GETTO: Es handelt sich bei Mobbing um gezielte Ausgrenzung. Das kann ständige Kritik sein oder dass hinter dem Rücken geredet wird. Es ist feindliche Kommunikation. Ziel ist oft, die Opfer aus der Arbeit zu drängen.

2. Wie oft kommt Mobbing vor, wer sind die Betroffenen?

GETTO: Eine Studie zeigt, dass 18 Prozent der Arbeitnehmer direkt von Mobbing betroffen sind. Pro Monat bearbeiten wir in der AK rund 40 Fälle, Tendenz steigend; 70 Prozent sind Frauen. Vor zehn Jahren waren es noch fünf bis zehn Fälle im Monat. Es trifft alle: Manager, Arbeitspsychologen, Arbeiter. Stark betroffen ist der Sozialbereich: Krankenhäuser, Pflegeheime, Büros und Handel.

3. Was kann man gegen Mobbing tun?

GETTO: Hat man das Gefühl, gemobbt zu werden, sollte man das ganz klar ansprechen. Man kann sich auch an die AK oder an die Gewerkschaft wenden.

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