Die Formel 1 stockt ihre Chefetage auf
Der Grand-Prix-Zirkus nimmt Kurs in eine neue Zukunft. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz (67) und Ferrari-Präsident Luca Montezemolo (64) sollen Formel-1-"Vorstände" werden.

Foto © GEPADietrich Mateschitz
Helmut Marko, der Motorsport-Chef von Red Bull, ist in diesen Tagen nicht rasend begeistert, wenn ein Gespräch zu politisch wird. Auf die Frage, was er denn zu einem Titelbild in der Ausgabe der Kleinen Zeitung von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz mit der Schlagzeile "Der neue Mann an der Spitze der Formel 1" sagen würde?, schüttelte Marko energisch den Kopf. "So ein Blödsinn." Warum ein Blödsinn? "Weil man das in dieser Form nicht sagen kann", sagte Marko.
Helmut Marko wollte jedoch auch nicht definitiv dementieren, dass Mateschitz (der am Samstag in Thailand am Begräbnis von Red-Bull-Miterfinder und Hälfteeigentümer Chaleo Yoovidhya, letzte Woche 89-jährig verstorben, teilnimmt) in einer künftigen, neu geordneten Führungsstruktur der Formel 1 keine Rolle spielen werde.
Bonuszahlungen
An allen Ecken und Enden wird derzeit gerade über ein neues "Concorde Agreement", so etwas wie die Verfassung der Formel 1, die vor allem die Verteilung der Gelder regelt, gefeilscht. Die derzeitige Vereinbarung läuft Ende 2012 aus. Zuletzt hatte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sechs Teams (Red Bull, Ferrari, McLaren, Mercedes, Lotus, Williams) zu Gesprächen in London eingeladen gehabt. Ferrari und Red Bull sollen nach Zugeständnis von Sonderkonditionen dem neuen Agreement bereits zugestimmt haben. So soll Ferrari bis zu 2,5 Prozent Anteile an der Formel-1-Holding Delta Topco erhalten, Red Bull als aktueller Doppel-Weltmeister einen Bonus von 26,5 Millionen Euro.
Zugleich soll auch die Chefetage der Formel 1 - deren alleiniger Geschäftsführer derzeit Bernie Ecclestone ist - mit je einem Vertreter der beiden Rennställe als neue Vorstandsmitglieder der Holding Delta Topco aufgestockt werden. Seitens Ferrari soll das der charismatische Präsident und ehemalige Fiat-Chef Luca Montezemolo sein, seitens Red Bull Dietrich Mateschitz.
Heiße Aktie
Ebenso ist im Zusammenhang mit einer teilweisen Neuordnung der Formel 1 ein Börsengang, vor rund zehn Jahren bereits geplant gewesen, aber nie zustande gekommen, in Vorbereitung. Wie von Bernie Ecclestone vorgeschlagen, soll die Formel 1 an der Börse von Singapur, seit 2008 Schauplatz des spektakulären Nacht-Grand-Prix, notieren. In Europa oder Nordamerika müsste der Rennzirkus bei einem Börsengang diverse, bislang streng geheim gehaltene Daten und Verträge offen legen, dem entkommt man in Singapur.
Laut Berichten der "Financial Times Deutschland" und des TV-Senders "Sky" strebt die Formel 1 für ihre Börsennotierung eine Bewertung von 10 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro, an.
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